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 Notizen von Bord der
„JOHANN SMIDT“

Die Riese von Hamburg bis Portugal im November 2007    
       

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Am 26. Oktober ging ich als Steuermann an Bord der JOHANN SMIDT, einem 1974 in Holland gebauten Segelschulschiff aus Stahl, das als Schoner geriggt, für CLIPPER DJS e.V. in Fahrt ist.
Im Clipper-Heimathafen, wurden noch nautische Geräte und eine Seewasser-Entsalzungsanlage eingebaut. Einige zusätzliche Ausrüstungen um die bevorstehende Atlantiküberquerung mit über 30 Personen an Bord zu ermöglichen. Am 27. Oktober fuhren wir mit den 25 Schülern, 5 Lehrern und der Stammbesatzung vom Harburger Hafen durch den Köhlbrand zum Anleger am St. Pauli Fischmarkt.


Schüler, Lehrer und Stammbesatzung an Bord der JOHANN SMIDT
 

Dort versammelten sich die Eltern und Freunde der Schüler der „High-Seas-High-School“ zur Verabschiedung und Schiffsbesichtigung. Es wurde Sekt (auf dem für diese Reise eigentlich als alkohol- und nikotinfreie definiertem Schiff) ausgeschenkt und es gab Kaffee und Kuchen. An die 300 Personen bevölkerten den Anleger und das Schiff. Es gab so manche Träne zum Abschied und viele Kuchenkrümel überall an Bord.
 
Gegen 17.30 Uhr legten wir ab und fuhren mit der Tide die Elbe hinab. Vor Cuxhaven lief der Tidenstrom gegen uns. Ein Grund mehr vor Anker zu gehen. Am Morgen des 28. ebbte es und wir gingen Anker auf. Ein steifer Südwind hatte erheblichen Seegang aufgeworfen, die ersten Schüler und Lehrer mussten an die Reling… Am späten Nachmittag erreichten wir Helgoland. Im Hamburger Loch vor Helgoland, der Wind hatte auf 7 Bft. zugelegt, in den Böen bis 8 Bft., war die See sehr bewegt. Im Vorhafen setzten wir ein Besatzungsmitglied an Land um im Südhafen Jemanden zu haben, der unsere Leinen annehmen konnte. Nur mit Hilfe unserer starken Leinen und Winden konnten wir uns mit viel Muskelkraft gegen den Wind an die Pier holen. Unsere Kraft wurde verstärkt durch das Boot des Seenotretters, der uns gegen den starken Wind mit an die Pier drückte. Vier Stunden nach uns, schon in der Dunkelheit der frühen Nacht, kam eine 11 m Yacht mit einem Schwerverletzten an Bord in den Hafen. Ein Krankentransport brachte den bei der schweren See an Bord gestürzten und in Ohnmacht gefallenen Segler in die Paracelsusklinik Helgoland.
 

Unsere Kombüse
 

Das Leuchtfeuer auf Helgoland
 

Die Freiwache in der Messe

Kühlschränke, Tiefkühler und alle Regale im Proviantlager sind gefüllt.
 

Am 29. Oktober gegen 17.00 Uhr verließen wir Helgoland Richtung Nordwest. In der ersten Nacht kreuzten wir Richtung West. Mühsam, Schlag um Schlag machten wir West gut. Am folgenden Tag und in der darauf folgenden Nacht gab es noch viele Seekranke an Bord. Am 31. Oktober liefen wir am frühen Abend in Scheweningen, das ist der Hafenort der zu Den Haag in den Niederlanden gehört, ein.
 

Brücke und Kartentisch

Aus Scheweningen sind wir nach einer ruhigen Nacht im Hafen, am 01. November 2007 gegen 17.00Uhr, ausgelaufen und von der Nordsee in Richtung Englischer Kanal gelaufen. Der Wind kam in der Nacht aus SW. Kreuzen war angesagt. Bei Änderung auf NW, gegen Morgen des 2. November, wendeten wir auf Backbord-Bug mit dem Ziel Dover.
 

Maschinenraum mit umfangreicher Technik

Einige der Fotos vom Helgolandaufenthalt hat
Michael Gabriel Rudel,
ein Kuttersegler mit dem Ziel Kanaren, aufgenommen

Wir mussten noch einen Tag und die kommende Nacht segeln um Dover zu erreichen. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang am 3. November kamen die weißen Kreidefelsen von Dover in Sicht und boten uns Allen einen schönen, stimmungsvollen Blick auf das Inselreich der Briten.

Die englische Zeit wurde aber nicht an Bord eingeführt, wir segelten weiter nach Frankreich, zurück in die Mitteleuropäische Zeitzone.

Da der Wind weiterhin aus NW mit beständiger Brise durchstand, fassten wir den Plan nach Cowes, das Segelmekka Englands, wenn nicht sogar Europas, zu segeln. Dann wäre es über den Kanal, nach Süden, an den Kanalinseln vorbei, nach Frankreich nicht mehr so weit.

Die Stimmung an Bord war gut. Fast Alle haben inzwischen die Seekrankheit überwunden. Fast Allen sind die Seebeine gewachsen, bewegten sich sicher und fröhlich an und unter Deck.

Im Ausguck  Der Halbwinder am Klüverstag

 

 

Arbeiten für die Schule am Laptop an Deck
und Wachgänger für das Schiff

Unter den Schülern gab es nur wenige, die sich mit dem Segeln auskannten. Sie waren größtenteils sehr interessiert, sie wollten alles wissen, alles lernen. Wir mussten nur noch anleiten.

Die Schüler steuerten das Schiff, gingen Wache und hatten Dienst in der Pantry. Die Navigation machte der wachhabende Steuermann gemeinsam mit den Schülern.











Im Hafen Scheweningen
wurde das Reffen nochmals
erklärt und von den
Schülern praktisch geübt.
Alle zwei Stunden machten wir „Wetter“. Das heißt wir maßen die Luft- und Wassertemperatur, berechneten die relative Feuchte, bestimmten die Windrichtung und die Windstärke, schrieben den Bewölkungsgrad auf. Diese Daten werden während der Atlantiküberquerung an das Deutsche Meteorologische Institut übermittelt um deren Statistik für künftige Vorhersagen zu optimieren.


Eine neue Überlegung beschäftigte uns am Sonnabend, als wir den aktuellen Wetterbericht gelesen hatten. Ein stabiles Hoch von den Azoren bis in die südliche Nordsee brachte uns günstige Winde aus NW-NO. Die Vorhersagen zeigten auch günstige Winde für die Überquerung der Biskaya. Nun fassten wir den Entschluss nicht England, auch nicht die Kanalinseln anzulaufen und auch unser Zielhafen St. Malo wurde gestrichen. Direkt liefen wir jetzt zur französischen Ile d`Quessant, gelegen vor der Nordwestecke der Normandie. In deutschen Seefahrerkreisen wird die Insel "Uschant" genannt.

Von da aus wollten wir, wenn das Wetter so bleiben sollte wie vorhergesagt, nach Cap Finesterre in Nordspanien zu segeln. Finesterre, das Ende der Welt.
Also kein Landgang in den folgenden Tagen, kein Hafenaufenthalt, das Segeln wurde groß geschrieben!
 

Der Kapitän
 

Am Sonntag, den 4. November, gab es im Ärmelkanal, querab von Cornwall, eine Sicherheitsübung. Alle erschienen nach einem Generalalarm mit Rettungswesten an Deck. Es wurde der Verschlusszustand des Schiffes eingestellt (alle Luken, Schotten, Lüfter wurden verschlossen), eine Feuerschutzübung mit Schutzanzug und Druckbeatmung des Retters wurde vorgeführt und mit der mobilen Feuerlöschpumpe wurde gespritzt. Das Wetter konnte nicht besser sein, bei der Übung herrschte für die Stunde fast Windstille, die Sonne schien und viele der Schüler trugen nur ein T-Shirt und kurze Hosen.
 

Wache auf dem Vorschiff
 
Entspannung an Deck
 

Ungewöhnlich ruhige Biskaya
 

Am Ruder
 

Unterweisung



Aufbacken

Signalflaggen werden gesetzt
 

Bootsmann Falko
 

Morgens, am 5. November, erschien die Ile d`Quessant " Ushant" auf der Kimm. Wir segelten nah heran um die berühmten Leuchttürme der so oft vom Sturm umtosten Insel zu sehen und zu fotografieren. Inzwischen hat sich eine Foto-Arbeitsguppe der Schüler gebildet und ich gebe fachlichen Rat. Zwischen meinen Wachen gebe ich Fotounterricht. Das erste Foto der Woche ist bereits ausgewählt worden.

Insel Uschant im Hintergrund
 

Bruno und Heiner
 

Jörn, Falko und Bruno
 

Jörn im Mast
 

Labskaus
 

Im Bugkorb vor Uschant
 


Die Leuchtfeuer auf und vor der
Ile d`Quessant

Das Leuchtfeuer auf der Insel wird von den deutschen Seefahrern, wohl wegen der schwarz-weißen Bemalung, "Preussischer Grenadier" genannt. Der Leuchtturm ganz rechts auf dem oberen Foto hängt als Poster weltweit verbreitet in vielen maritimen Bars. Auf dem Poster bricht eine Riesenwelle über diesen Leuchtturm herein, der Leuchtturmwärter in gelber Öljacke steht in Lee in der offenen Tür. Dieses eindrucksvolle Motiv ist vielen bekannt, hier steht der Turm, der auf den Klippen vor der Insel erbaut wurde, in ungewöhnlich ruhiger See.
 
Dann die Biskaya. Der Wind hatte uns verlassen und wir motorten über glatte See. Im Rigg hingen mehrere Segel aus der Segellast zum Trocknen. Querab von Ushant nach Tagen ohne Handy, hatten wir für kurze Zeit eine Netzverbindung. So konnten wir unsere geänderten Pläne, unsere spätere Ankunft in Hamburg, unseren Frauen und Freunden bekannt geben. Während alle Schüler in der Messe zum theoretischen Segelunterricht waren, sichtete ich eine Schule Delphine. Die Schüler wurden informiert und Alle stürzten an Deck. Viel schneller als wir es beim Probe-Feueralarm erlebt hatten. Große Freude bereiteten die ca. 40 tobenden, springenden und pfeilschnellen Delphine, die Schüler juchten, lachten, fotografierten und filmten dieses bewegende, tolle Schauspiel.

In der Nacht vom 5. auf den
6. November legte der Wind auf 3 Bft. aus NNW zu.

Wir segelten mit dem Ziel
Cap Finesterre in 210 Grad mit Backbordschoten und liefen zwischen 4 und 6 Knoten. Das war ausreichend um unser Reiseziel Porto bis zum
9. November zu erreichen. Der Diesel schwieg, die lange Dünung wiegte uns, das Wetter war schön, die Luft hatte 15 Grad, das Wasser auch.

Die Navigation wurde unter Aufsicht des Steuermannes reihum von den Schülern gemacht. Eine Brückenkladde und das Logbuch wurden geführt, die Navigationscomputer und das Radargerät überwacht.

Auf dem Vorschiff gingen zwei aus der Wache Ausguck und meldeten Fischernetze und den Schiffsverkehr.
Die Wachen dauerten tagsüber 4 Stunden und des Nachts 3 Stunden. Einmal pro Woche hatten wir 3 Wachen am Tag. Alle 4 Tage war meine Wache im Service tätig. Dann hieß es am Morgen Brötchen zu backen, das Frühstück herzurichten, abzuwaschen, das Mittagessen vorzubereiten, dem Koch zu assistieren, Mittagstisch aufbacken, abbacken, abwaschen, Kuchen backen, Kaffee kochen, abwaschen, Abendessen zuzubereiten und wieder abwaschen. Zwischendurch wurde gesaugt, gewischt, die Klos und Duschen gesäubert und an Deck aufgeklart.

Am 6. November gab es bis zum nächsten Morgen NO-Wind um Stärke 6 bis 7, idealer Segelwind, da Backstagsbrise. Das ergab ein Rekordetmal für die JOHANN SMIDT: 182 sm vom 6. November mittags bis zum 7. November mittags. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit in den 24 Stunden von 7,58 Knoten!
 

Joga an Bord

Meine Wache, die C-Wache, bestand aus einem Wachführer, den 5 Schülern als Deckshänden und mir als Steuermann (Wachoffizier). Meine wache Wachführerin war Laura. In der Wache wurde von den Schülern gesteuert und die Segelführung immer wieder nachgetrimmt. Da wir zwei Vorsegel, ein Gaffel-Schonersegel am Schonermast mit Dreikanttoppsegel und ein Bermuda-Großsegel am Großmast achtern hatten, gab es immer etwas zu tun. Beim Halsen oder Wenden mussten vier Backstagen bewegt werden und die Vorsegel auf die andere Seite geschotet werden.
 

                                  Kira und Dylan





Vor den Häfen setzten wir neben der Gastlandflagge
mit den Signalflaggen auch unsere Kennung.

Da wir La Coruna in Nordspanien am 7. November noch im Hellen erreichten, haben wir nach den vielen Seetagen eine Nacht im Hafen verbracht. Eine Wanderung, auf festem Boden, durch die schöne Altstadt tat Allen gut. Einige begaben sich auf den langen Fußweg zum ältesten noch betriebenen Leuchtturm der Welt, zum Turm des Herkules. Das mächtige Bauwerk steht auf einer Felshalbinsel vor der Bucht von La Coruna. Auch in diesem Hafen, wie schon in Scheweningen konnten wir uns vom Achterdeck aus in einen unverschlüsselten Hotspot einwählen und unsere elektronische Post abholen und bearbeiten.
 

Am 8. November liefen wir um 13.00 Uhr aus und steuerten den Kurs zum Cap Finesterre und setzten die Segel. Wieder die lange Dünung des Atlantiks, wieder wunderschönes Segeln.

Mein Schuh war plötzlich aus meiner Kammer, die achtern an Backbord liegt und die ich mit unserem Maschinisten teile, verschwunden. Die Suche blieb lange ergebnislos. Dann die Erleuchtung, ein Steuermann benötigte ein spezielles Werkzeug. Die technische Sonderausstattung ist unter den Bodenplatten unserer Kammer gestaut. In den Katakomben unter den Bodenbrettern fand ich den Schuh.

Der Koch, ein Profi aus Sachsen, bereitete mit den Schülern sehr leckeres Essen zu. Donnerstags, am Seemannssonntag gab es z. B. Schweinebraten mit Rotkohl, Kartoffeln und einer sehr leckeren Soße. Immer wieder gab es auch Nachtisch. Täglich wurde Brot gebacken, es gab täglich frische Frühstücksbrötchen und am Nachmittag immer ein Stück Kuchen!



In der Nacht zum 9. November liefen wir auf Südkurs unserem neuen Ziel Leixoes, Portugal, dem Handelshafen von Porto entgegen. Die Delphine gaben fast bis in den Hafen hinein noch eine sehr gelungene Abschiedsvorstellung.
 
Segelbergen vor Leixoes                                                            
  

Hier im Handelshafen war Lotsenpflicht. Im schönsten Abendlicht, der von einem mit bizarren Wolken verzierten Himmel unser Boot und den Hafen in zauberhaftes Licht hüllte, liefen wir ein.

Zum Abschied der Stammcrew, hier gingen der Kapitän, mit mir noch zwei der Steuerleute und unser Bootsmann von Bord, gab es von unserem Koch ein hervorragend zubereitetes „Captains-Dinner“.
 
Der Abend in Leixoes wurde zum Freilicht-Kinoabend. Der Beamer projizierte einen spannenden DVD-Krimi auf unsere, zu diesem Zweck als Leinwand gesetzte Baumfock. Viele Schüler und auch einige der Lehrer, lagen in Decken und Schlafsäcken gehüllt auf der Pier und genossen die feste Erde, den Krimi und den Sternenhimmel.

Am Nachmittag des folgenden Tages traf die neue Stammcrew der JOHANN SMIDT ein. Der ablösende Kapitän, ein Steuermann, eine Steuerfrau, ein Arzt und ein zusätzlicher Lehrer übernahmen das Schiff. Wir gingen an Land. In das Seemannsheim Stella Maris. Rückflug am 10. November über Brüssel nach Hamburg.
 

Die JOHANN SMIDT im Hafen von Leixoes


Hier geht es weiter mit einer Reise von Kuba zu den Bahamas

Links zum Projekt HSHS 2007:

CLIPPER DJS e.V., Eigner der JOHANN SMIDT:  http://www.clipper-djs.org/ 
 
 Die Hermann Lietz-Schule Spiekeroog,
verantwortlich für die Durchführung des Projektes "High Seas High School"
Reiseberichte und Logbücher: http://www.hl-aktuell.de/projekte/hshs/hshs0708/hshs0708.htm

 

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